Erinnerungen des Gründungsmitglieds und jetzigen Ehrenvorsitzeden Johannes Kreuels: Aus der Gründungszeit und den Anfangsjahren des TTC „DJK“ 1952 Neukirchen Der Tischtennissport war in den Nachkriegsjahren in Neukirchen nahezu unbekannt, Fußball dagegen eine feste Größe. Nur in der SG Neukirchen konnten wir Jugendlichen uns sportlich betätigen, aber eben ausschließlich auf dem Fußballfeld. Mädchen hatten keine Möglichkeit, Sport zu treiben. Wie kam der Tischtennissport nach Neukirchen? Im Jahre 1951 wurde Kaplan Fritz Stöckmann in die kath. Pfarrei St. Jakobus versetzt. Es war üblich, dass der Kaplan die Messdienergruppe betreute. Der neue Seelsorger imponierte uns Messdiener, denn er war ein begeisterter Sportler, obwohl er nicht mit Gesundheit gesegnet war. Er ging nach der wöchentlichen Messdienerstunde, und zwar nach Erledigung der dienstlichen Angelegenheiten, mit uns zum Fußballspielen auf den Sportplatz. Kaplan Stöckmann beherrschte eine andere Sportart noch besser als die Jagd nach dem runden Leder, das Tischtennisspiel. Es fehlte aber ein Tischtennistisch! Die Finanzierung war rasch geklärt. Pastor Paul Scholl spendierte 50,- D-Mark, jeder Messdiener steuerte eine Mark bei und die ersehnte Tischtennisplatte konnte im Ort bei der Schreinerei Jaeger in Auftrag gegeben werden. Dieser erste Tischtennistisch steht übrigens wohlerhalten im Kellergeschoss des Hauses Kreuels am Lohweg 12. Er wurde 1968 auf einer Vereinsversammlung für das höchste Angebot verkauft. Nachdem uns Messdienern das Tischtennisspiel ermöglicht worden war, erfolgte durch unseren Trainer Kaplan Stöckmann die Einweisung in das schnelle Rückschlagspiel. Er sprach von Vor- und Rückhand sowie von Schnittbällen und stellte alle Varianten gekonnt vor. Es gab aber ein Problem: Ein Tischtennistisch für ca. 20 Messdiener! Viel Zeit zum Üben blieb nicht. Heinz Schlupp und ich hatten einen guten Draht zur Pfarrhaushälterin Fräulein Scholl. Bei ihr baten wir wiederholt um den Schlüssel zum Pfarrheim, das nicht größer war als ein geräumiges Wohnzimmer. Wir waren glücklich, dort außer der Reihe spielen zu dürfen. Wie enttäuscht waren wir Ministranten, als wir erfuhren, dass Kaplan Stöckmann versetzt wurde. Wir hatten aber Glück! Kaplan Schiffer folgte, ein junger Mann, der die Anliegen seiner Messdiener erkannte und anpackte. 1952 wurde der TTC DJK Neukirchen im Lokal Hecker – heute Stenbrock - aus der Taufe gehoben. Kern der Vereinsmitglieder war die Messdienergruppe, 13 – 15 Jahre alt. Um uns Jugendliche scharten sich einige Erwachsene, z.B. Toni Rütten, unser langjähriger Kassierer, Christian Jaeger, Theo Domgans und andere. Matthias Hansen übernahm das Amt des Vorsitzenden bis zum Jahre 1963. Die Vereinsführung der SG Neukirchen begrüßte die Gründung des neuen Vereins nicht, man befürchtete die Abwanderung vom Fußball zum Tischtennissport. Bald bestand aber ein einträchtiges Miteinander! Unser erstes Spiellokal war Heckers Sälchen. Zwei Tischtennistische konnten aufgestellt und mit der Austragung von Meisterschaftsspielen begonnen werden. Aushängeschild des Vereins war die Jugendmannschaft: Heinz Schlupp, Hermann-Josef Hansen, Peter Schmitz, Johannes Kreuels, Hermann Berg, Heinz und Willi Stammen. Bald erwies sich unser Spiellokal als zu klein. Wir zogen um in den Saal von Matthias Stammen, in dem drei Tische aufgestellt werden konnten: zwei auf der Tanzfläche und einer auf der Bühne. Auf dem Tanzboden legten wir ein feuchtes Tuch aus, um unsere Turnschuhe rutschfester zu machen. Über den Tischen wurde eine für damalige Zeit ausreichende Beleuchtung angebracht. Matthias Stammen verlangte keine Miete und keine Stromkosten. Wer würde heute Jugendliche ohne Aufsicht und ohne lohnenswerten Verzehr aufnehmen? Dank gebührt dem Hause Stammen für diese Großzügigkeit! Drei Tischtennistische reichten für die Anzahl der am Training teilnehmenden Aktiven kaum aus. Man kam zu wenig dran! Ein großer Fehler war dann auch noch die Regel: Der Sieger bleibt an der Platte! Alle TT-Spiellokale im Kreis Grevenbroich waren fast ausschließlich Säle oder Schulräume in den Orten, eine Turnhalle gab es nur in Grevenbroich am Gymnasium. Die An- und Abreise erfolgte in der Regel mit dem Fahrrad. Manchmal fuhr uns ein VW-Besitzer zum Meisterschaftsspiel, dann saßen wir zu siebt im Wagen. Es war unangenehm, jemanden fragen zu müssen. Max Seidl und Toni Brinkmann haben dieses Los des Öfteren auf sich genommen. Besserung trat ein, als Alois Schmitz einen Opel sein Eigen nennen konnte. Sohn Peter durfte uns dann fahren. Selbstverständlich zahlten wir Spritgeld! Nun ein wenig zu den sportlichen Erfolgen unseres Vereins: 1952/53 hatten wir eine schlagkräftige Jugendmannschaft. In Glehn besuchten wir das erste Turnier. Heinz Schlupp erreichte im Einzel den dritten Platz. In den Folgejahren zählten wir Neukirchener zu den Favoriten im Jugendbereich auf allen Turnieren des Kreisgebietes. Ja, wir sahnten ab! In der Seniorenklasse angekommen sorgten wir weiter für Erfolge. Der Aufstieg gelang von der Zweiten Kreisklasse in die Erste und der sofortige Aufstieg in die Bezirksklasse. Jetzt wurde das sportliche Überleben schwer. In Rheydt, Mönchengladbach, Viersen, Süchteln, Breyell, Dülken, Hochneukirch... trafen wir auf schwere Gegner, die alle schon in Sporthallen spielten. Aber unsere Heimstärke – das Spielen auf der Tanzfläche im Saal Stammen - war mehr als gefürchtet. Zusätzlich unterstützten uns Neukirchener Gaststättenbesucher. Wir heimsten überraschende Punkte ein. Dennoch mussten wir mehrmals den Abstieg aus der Bezirksklasse hinnehmen, obwohl wir immer komplett antraten. Ein „Nicht können“ gab es nicht! Nach dem Abstieg schafften wir immer wieder den direkten Aufstieg. Eine Fahrstuhlmannschaft? Eine glückliche Zeit brach an, als die kleine Schulturnhalle gebaut wurde. Wir fühlten uns als Könige. Heinz Schlupp war unser rühriger Geschäftsführer. Er organisierte Tischtennis-Großveranstaltungen nach Neukirchen. Für die Zuschauer stellten wir Paletten der Firma Pegels aufeinander, so dass möglichst alle die Kämpfe an einem Tisch in der Turnhallenmitte erleben konnten. Bei uns spielte die ungarische Damen-Nationalmannschaft und große Pokalspiele auf westdeutscher Ebene erfreuten uns sowie die TT- Kreismeisterschaft 1963. Am Fronleichnamsmorgen, 13. Juni 1963, erreichte uns eine schlimme Nachricht. Heinz Schlupp war im Alter von 26 Jahren verstorben. Am Abend vorher hatten wir noch trainiert und anschließend in Ückerath Schaschlik gegessen. Nichts deutete auf den Tod hin. Heinz Schlupp wurde am 17. Juni 1963 (staatlicher Feiertag) unter sehr großer Beteiligung des Dorfes und auswärtiger Sportkameraden zu Grabe getragen. Zur Erinnerung an ihn veranstalten wir seit 1963 das Heinz-Schlupp-Gedächtnisturnier. Johannes Kreuels Unser Vereinsleben musste weitergehen. Mit Heinz Schlupp hatten wir nicht nur einen guten Spieler verloren, sondern auch einen unersetzlichen Funktionär. Mit dem Tod von Heinz Schlupp übernahm Johannes Kreuels die Vereinsführung. Diese hatte er 34 Jahre !!! inne.